Yunas Katzentagebuch

Kleine Pfoten, große Abenteuer.

🐾 Yuna war hier 75 Tage alt.

Tag 8: Der Flauschball war schon so

Tag 8: Der Flauschball war schon so

Der Flauschball war schon so 🐾

Heute Morgen wurde ich mit einer ziemlich unangenehmen Situation konfrontiert.

Meine Menschen wachten auf.

Ich war bereits wach.

Und auf dem Boden lag ein Flauschball.

Nun ja.

Was davon übrig war.

In mehreren Teilen.

Ich möchte zunächst auf die Unschuldsvermutung hinweisen

Offenbar hatte dieses Spielzeug während der Nacht erhebliche strukturelle Probleme entwickelt.

Teile davon lagen über den Boden verteilt.

Der ursprüngliche Zustand ließ sich nur noch ungefähr rekonstruieren.

Und zufällig befand ich mich in unmittelbarer Nähe des Fundortes.

Meine Menschen schauten zum Flauschball.

Dann zu mir.

Dann wieder zum Flauschball.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich festhalten:

Anwesenheit am Tatort ist kein Beweis für Täterschaft.

Vielleicht hat sich der Flauschball selbst zerlegt.

Materialermüdung.

Produktionsfehler.

Spontane Flauschball-Desintegration.

Alles denkbar.

Dass meine Menschen diese Möglichkeiten offenbar für weniger wahrscheinlich halten, ist deren persönliche Einschätzung.

Ich habe jedenfalls keine Aussage gemacht.

Möglicherweise war es auch nur Forschung

Falls – rein hypothetisch natürlich – eine Katze an der Zerlegung beteiligt gewesen sein sollte, könnte es sich ebenso gut um eine technische Untersuchung gehandelt haben.

Wie ist ein Flauschball aufgebaut?

Wie belastbar ist die Außenhülle?

Was befindet sich im Inneren?

Wie viele Einzelteile lassen sich daraus herstellen?

Das sind vollkommen legitime Fragen.

Menschen zerlegen schließlich auch Dinge, um herauszufinden, wie sie funktionieren.

Wenn ich das mache, heißt es plötzlich:

„Yuna!“

Doppelmoral.

Die botanische Abteilung 🌿

Später widmete ich mich einem anderen Forschungsgebiet.

Am Fenster steht nämlich eine Pflanze.

Aloe vera.

Und diese Aloe besitzt einen ganz bestimmten Trieb.

Einen ausgesprochen interessanten Trieb.

Ich weiß nicht, warum meine Menschen nicht verstehen, was daran so faszinierend ist.

Also wollte ich wieder einmal nachsehen.

Nur ein bisschen näher.

Vielleicht einmal mit der Pfote …

„Yuna, nein!“

Schon wieder.

Offenbar wurde diese Pflanze von meinen Menschen unter besonderen Schutz gestellt.

Mehrfach wurde ich bereits zurückgerufen, sobald ich mich für diesen Trieb interessierte.

Inzwischen muss ich davon ausgehen, dass sich dort etwas ausgesprochen Wichtiges befindet.

Warum sonst sollten die Menschen es so energisch bewachen?

Die Untersuchung bleibt daher vorläufig offen.

1,05 Kilogramm Schnurrmotor

Nach all dieser anstrengenden Forschungsarbeit brauchte ich eine Pause.

Also legte ich mich zu meinem Menschen.

Und dann wurde gestreichelt.

Das ist inzwischen eines dieser Dinge, über die ich gar nicht mehr groß nachdenken muss.

Ich gehe hin.

Ich lege mich dazu.

Mein Mensch streichelt mich.

Und ich schnurre.

Offenbar merkt man das bei mir nicht nur mit den Ohren.

Die ganze kleine Katze vibriert.

Mein Mensch scheint das ziemlich zu mögen.

Ich übrigens auch.

Vor einer Woche habe ich noch vorsichtig aus meiner Transporttasche geschaut.

Heute lege ich mich einfach zu meinem Menschen, lasse mich streicheln und verwandle mich in einen kleinen schwarzen Vibrationsmotor.

Man könnte also sagen:

1,05 Kilogramm Katze – davon gefühlt 200 Gramm Schnurrmotor.

Natürlich sah ich dabei vollkommen friedlich aus.

Wie eine Katze, die niemals in ihrem Leben einen Flauschball zerlegt hätte.

Ich erwähne das nur.

Dann kam das Tischverbot

Irgendwann hatte ich allerdings eine Meinungsverschiedenheit mit meinen Menschen.

Es ging um den Tisch.

Ich wollte darauf.

Meine Menschen waren der Meinung:

Nein.

Ich war der Meinung:

Doch.

Meine Menschen bestanden auf ihrer Position.

Das fand ich nicht besonders überzeugend.

Aber gut.

Ich bin schließlich vernünftig.

Also verließ ich den Tisch.

Was danach geschah, steht selbstverständlich in keinerlei Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung.

Ein völlig zufälliger Netzwerkausfall

Kurz darauf wurde nämlich eine Steckdosenleiste ausgeschaltet.

Bedauerlicherweise hängen daran:

der Switch und der WLAN-Router.

Plötzlich war das Netzwerk weg.

Schon wieder.

Meine Menschen fanden den zeitlichen Ablauf offenbar bemerkenswert.

Tischverbot.

Katze verlässt Tisch.

Steckdosenleiste aus.

Switch aus.

WLAN aus.

Ich verstehe nicht, was sie mir damit sagen möchten.

Korrelation ist schließlich keine Kausalität.

Immerhin stellte sich heraus, dass das Homelab dieses Mal nicht an dieser Steckdosenleiste hängt.

Das blieb also online.

Man könnte sagen:

Der Test war wesentlich präziser als beim letzten Mal.

…

Falls es ein Test gewesen wäre.

Mein Mensch wird misstrauisch

Seit meiner Ankunft habe ich inzwischen erstaunlich viel über die technische Infrastruktur dieses Hauses gelernt.

Alexa habe ich untersucht.

Das Homelab habe ich kennengelernt.

Eine Steckdosenleiste habe ich bereits erfolgreich auf ihre Funktion geprüft.

Und heute konnte bestätigt werden, dass sich Switch und WLAN-Router ebenfalls zuverlässig über ihre Stromversorgung deaktivieren lassen.

Mein Mensch spricht inzwischen von einem reproduzierbaren Fehler.

Ich halte diese Formulierung für übertrieben.

Allerdings scheint er darüber nachzudenken, die Steckdosenleiste katzensicher zu machen.

Das wäre schade.

Ein guter Administrator braucht schließlich Zugriff auf die Infrastruktur.

Tagesbilanz

Fassen wir zusammen.

Der Flauschball erlitt einen bislang ungeklärten Totalschaden.

Die Aloe vera bleibt Gegenstand weiterer Forschung.

Mein Schnurrmotor funktioniert ausgezeichnet.

Das Tischverbot wird von der zuständigen Katzenabteilung weiterhin kritisch bewertet.

Switch und WLAN-Router haben einen unerwarteten Verfügbarkeitstest absolviert.

Und das Homelab blieb online.

Eigentlich ein ausgesprochen produktiver Tag.

Meine Menschen sehen das möglicherweise etwas anders.

Aber auch sie müssen noch viel lernen.

Vor allem eine wichtige Regel:

Wer einer Katze den Tisch sperrt, sollte seine kritische Infrastruktur absichern.

🐾 Yuna

Hauskatze, Flauschball-Forensikerin, botanische Nachwuchsforscherin und Junior-Netzwerkadministratorin

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