Yunas Katzentagebuch

Kleine Pfoten, große Abenteuer.

🐾 Yuna war hier 2 Monate alt.

Sonntag ist Trainingstag

Sonntag ist Trainingstag

Sonntag ist Trainingstag 🐾

Menschen haben eine merkwürdige Vorstellung von Sonntag.

Sie nennen ihn:

Ruhetag.

Offenbar bedeutet das, dass man morgens gemütlich aufsteht, vielleicht etwas länger schläft und anschließend möglichst wenig anstrengende Dinge macht.

Interessantes Konzept.

Für Menschen.

Ich dagegen habe Verantwortung.

Meine Ausbildung zur Hauskatze, Systemadministratorin, Luftraumverteidigerin und zukünftigen Weltherrscherin erledigt sich schließlich nicht von allein.

Also begann nach dem Aufstehen mein Trainingsprogramm.

Grundlagen: Stöckchen 🪵

Man sollte nie die Grundlagen vernachlässigen.

Deshalb startete ich mit einem bewährten Trainingsgerät:

Stöckchen.

Greifen.

Festhalten.

Pfoteneinsatz.

Beißen.

Noch einmal festhalten.

Noch einmal beißen.

Ein ausgesprochen angenehmer Trainingspartner.

Vor allem besitzt ein Stöckchen eine Eigenschaft, die ich inzwischen sehr zu schätzen weiß:

Wenn ich es erwische, bleibt es wenigstens da.

Das kann ich von gewissen anderen Gegnern nicht behaupten.

Dann entdeckte ich eine Katze 🪞

Nach dem Grundlagentraining bemerkte ich plötzlich jemanden.

Eine Katze.

Schwarz.

Ungefähr meine Größe.

Und wenn ich das einmal ganz objektiv beurteilen darf:

Sie sah verdächtig gut aus.

Ich kannte sie allerdings nicht.

Also ging ich näher.

Sie ebenfalls.

Ich blieb stehen.

Sie blieb stehen.

Ich bewegte meinen Kopf.

Sie auch.

Langsam wurde die Sache merkwürdig.

Dieser Gegner ist unglaublich schnell

Ich beschloss, ihre Reaktionsfähigkeit zu testen.

Eine kleine Bewegung.

Sofort reagiert.

Noch eine.

Wieder exakt gleichzeitig.

Also schneller.

Keine Chance.

Diese Katze besitzt offenbar eine Reaktionszeit von:

0 Millisekunden.

Ich schaute sie an.

Sie schaute zurück.

Ich ging näher.

Sie kam ebenfalls näher.

Und egal, was ich tat:

Sie wusste es offenbar schon vorher.

Das ist beunruhigend.

Ich habe bereits einen Gegner, der jede meiner Bewegungen kennt.

The Tail.

Jetzt taucht auch noch eine fremde Katze auf, die exakt gleichzeitig auf jede meiner Aktionen reagiert.

Ich beginne langsam, ein Muster zu erkennen.

Welches genau, weiß ich allerdings noch nicht.

Die Ermittlungen laufen.

Danach brauchte ich Bewegung ⚽

Nach so viel Konzentration musste ich den Kopf freibekommen.

Dafür gibt es ein ausgezeichnetes Trainingsgerät:

Papierball.

Mein Flur eignet sich hervorragend dafür.

Ball entdecken.

Anvisieren.

Pfote.

Ball rollt.

Und dann:

VOLLGAS.

Hinterher!

Pfote dran.

Richtungswechsel.

Wieder hinterher.

Die Menschen stehen dabei gelegentlich im Weg.

Das ist allerdings kein Problem.

Im Gegenteil.

Bewegliche Hindernisse erhöhen den Schwierigkeitsgrad.

Man muss ausweichen.

Abbremsen.

Die Richtung ändern.

Oder einfach zwischen menschlichen Füßen hindurchlaufen und darauf vertrauen, dass der Mensch rechtzeitig reagiert.

Das trainiert übrigens nicht nur mich.

Tarnung und Nahkampf 🥷

Zwischendurch wurde es Zeit für taktisches Training.

Rund um Sofa, Decken und Menschenfüße existieren hervorragende Möglichkeiten, sich zu verstecken.

Man verschwindet.

Wartet.

Beobachtet.

Und dann:

Angriff.

Anschließend kam ein Plüschtier zum Einsatz.

Festhalten.

Umklammern.

Hinterpfoten.

Beißen.

Wieder loslassen.

Noch einmal angreifen.

Ich glaube, ich werde besser.

Das Plüschtier wollte sich dazu bislang nicht äußern.

Jetzt nach oben 🧗

Bodentraining allein genügt natürlich nicht.

Eine gut ausgebildete Katze muss sämtliche Dimensionen ihres Einsatzgebietes beherrschen.

Also:

Castle in the Sky.

Hoch.

Noch höher.

Klettern.

Springen.

Festhalten.

Hochziehen.

Ich habe inzwischen schließlich Erfahrung mit One-Paw-Recovery.

Ganz oben angekommen überprüfte ich außerdem eine bekannte bauliche Einschränkung.

Die Zimmerdecke.

Sie ist immer noch da.

Ich hatte sie bereits darauf hingewiesen, dass sie meine weitere vertikale Expansion behindert.

Offenbar wurde meine Beschwerde ignoriert.

Das Verfahren bleibt deshalb offen.

Und dann kam ER 🦹

Eigentlich hätte das Trainingsprogramm damit abgeschlossen sein können.

Aber natürlich musste genau in diesem Moment mein Erzfeind auftauchen.

The Tail.

Der Schwarze Schatten.

Ausgerechnet in Castle in the Sky.

Schon wieder.

Ich sah eine Bewegung.

Er war da.

Also Angriff!

Tailfight!

Ich drehte mich.

The Tail wich aus.

Ich griff nach ihm.

Erwischt!

Kurz.

Dann war er wieder frei.

Also hinterher.

Drehen.

Pfote.

Beißen.

Noch einmal drehen.

The Tail drehte selbstverständlich mit.

Ungefähr eine Minute dauerte das Gefecht.

Eine ausgesprochen intensive Minute.

Und danach?

War er immer noch da.

Dieser Gegner ist unglaublich hartnäckig.

Ich habe inzwischen Fliegen besiegt.

Motten.

Mücken.

Stöckchen sowieso.

Aber The Tail bleibt.

Meine Statistik lautet deshalb weiterhin:

Fliege: −1

Motte: −1

Mücke: −1

The Tail: 0

Langsam wird das persönlich.

Taktischer Rückzug 💤

Nach dem Gefecht zog ich mich auf die oberste Ebene von Castle in the Sky zurück.

Nicht weil ich müde war.

Das möchte ich ausdrücklich festhalten.

Ich musste lediglich:

meine Augen schließen,

sämtliche Muskeln entspannen,

mich hinlegen

und längere Zeit vollkommen bewegungslos bleiben.

Das ist kein Schlaf.

Das ist taktisches Aufladen.

Professionelle Agentinnen benötigen schließlich Regenerationsphasen.

The Tail war übrigens ebenfalls noch da.

Natürlich.

Er lag ganz friedlich bei mir, als wäre überhaupt nichts passiert.

Frechheit.

Wir sprechen später darüber.

Sonntags wird nicht gearbeitet?

Meine Menschen behaupten weiterhin, Sonntag sei ein Ruhetag.

Schauen wir uns das einmal an.

Stöckchentraining: absolviert
Unbekannte Spiegelkatze: untersucht
Reaktionsvermögen: getestet
Papierfußball: gespielt
Flur-Parkour: absolviert
Tarntraining: durchgeführt
Nahkampf: trainiert
Castle: erklommen
Zimmerdecke: erneut beanstandet
The Tail: bekämpft
Taktisches Aufladen: eingeleitet

Und das alles vor beziehungsweise während eines angeblichen Ruhetages.

Ich glaube, das Problem liegt einfach an der Definition.

Menschen ruhen sich sonntags von ihrer Arbeit aus.

Katzen machen sonntags genau dasselbe wie an jedem anderen Tag.

Katzendinge.

Nur professioneller.

Und jetzt entschuldigt mich.

Mein taktischer Ladezyklus ist noch nicht abgeschlossen.

Danach muss ich möglicherweise noch einmal nach dieser fremden schwarzen Katze sehen.

Ich habe nämlich den Verdacht, dass sie mich beobachtet.

🐾 Yuna

Hauskatze, Sonntagsathletin, Spiegelermittlerin und weiterhin erfolglose Bezwingerin von The Tail

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