Parkour, Hausschuhe und die Charm Offensive 🐾
Ich glaube, meine Menschen haben meinen Kratzbaum immer noch nicht vollständig verstanden.
Sie nennen ihn einen Kratzbaum.
Ich nenne ihn:
Castle in the Sky.
Und gestern Abend habe ich festgestellt, dass er noch eine weitere Funktion besitzt.
Parkourstrecke.
Von der Küche bis ganz nach oben 🏰
Der Ablauf war eigentlich ziemlich einfach.
In der Küche starten.
Kurz konzentrieren.
Dann:
VOLLGAS.
Durch den Flur.
Zum Castle.
Hoch.
Noch höher.
Ganz nach oben.
Und dann…
Decke.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, dass ich mit dieser baulichen Entscheidung nicht einverstanden bin.
Warum baut man einen hervorragenden Kletterbaum bis fast unter die Zimmerdecke und beendet dann ausgerechnet dort die weitere Expansion?
Ich saß oben und teilte der Decke meine Meinung dazu mit.
Lautstark.
Sie reagierte nicht.
Unhöflich.
Also wieder runter.
Zurück in die Küche.
Und noch einmal.
Küche → Flur → Castle → Decke → Protest → runter
Beim zweiten Versuch war die Decke immer noch da.
Beim dritten ebenfalls.
Ich beginne zu vermuten, dass es sich um eine dauerhafte Installation handelt.
Gecko-Modus aktiviert 🦎
Beim Hochklettern kann jeder schnell sein.
Interessant wird es beim Abstieg.
Man könnte natürlich gemütlich von Plattform zu Plattform springen.
Das wäre sicher.
Kontrolliert.
Vernünftig.
Also völlig uninteressant.
Ich bevorzuge eine andere Methode.
Kopfüber.
Fast senkrecht.
Mit ordentlich Geschwindigkeit.
Mein Mensch behauptet, ich hätte dabei weniger wie eine Katze und mehr wie ein großer schwarzer Gecko ausgesehen.
Ich weiß nicht genau, was daran ungewöhnlich sein soll.
Es funktioniert doch.
Meistens.
Eine Pfote reicht vollkommen
Beim letzten Durchgang wurde die Sache allerdings kurz interessant.
Sehr kurz.
Plötzlich hing ich ganz oben am Castle.
Mit einer Pfote.
Nur einer.
Unter mir befand sich ziemlich viel Luft.
Mein Mensch dürfte in diesem Moment vermutlich eine geringfügig andere Einschätzung der Situation gehabt haben als ich.
Ich dagegen dachte:
Hm. Ungünstig.
Also zog ich mich wieder hoch.
Problem gelöst.
Neue Fähigkeit:
One-Paw-Recovery.
Freigeschaltet. ✔️
Das Castle schwankte während meiner Übungen zwar ein wenig, aber der Deckenspanner hielt.
Damit wurde gleichzeitig die Belastungsprüfung erfolgreich abgeschlossen.
Gern geschehen.
Dann tauchte ER wieder auf 🦹
Natürlich verlief das Training nicht störungsfrei.
Denn mein ältester und hartnäckigster Gegner erschien erneut.
The Tail.
Der Schwarze Schatten.
Er folgt mir überallhin.
Er kennt jeden meiner Aufenthaltsorte.
Er taucht sogar in Castle in the Sky auf.
Und gestern hatte er offenbar beschlossen, mich während meines Trainings zu provozieren.
Ich sah ihn.
Er bewegte sich.
Ich drehte mich.
Er wich aus.
Ich versuchte es erneut.
Er wich wieder aus.
Also knurrte ich ihn an.
Das musste einmal gesagt werden.
Meine bisherige Erfolgsstatistik ist schließlich hervorragend:
Fliege: −1
Motte: −1
Mücke: −1
The Tail: 0
Das ist langsam peinlich.
The Tail bleibt damit mein einziger Gegner, den ich bislang nicht besiegen konnte.
Mein Mensch behauptet, das liege daran, dass er permanenten Root-Zugriff auf mich besitzt.
Ich weiß nicht, wer ihm diese Rechte gegeben hat.
Ich war es jedenfalls nicht.
Dafür habe ich meine Krallen inzwischen besser im Griff 🐾
Meine Menschen haben übrigens eine positive Entwicklung festgestellt.
Wenn ich über sie herumtobe, fahre ich inzwischen nicht mehr ständig alle Krallen aus.
Am Anfang war das anders.
Da galt ungefähr:
Katze bewegt sich → Krallen deployen
Inzwischen kann ich wesentlich besser unterscheiden, wann ich sie wirklich brauche.
Beim Klettern?
Natürlich.
Bei der Jagd?
Selbstverständlich.
Wenn ich über einen Menschen renne?
Meistens nicht.
Meine Menschen begrüßen diese Entwicklung überraschend enthusiastisch.
Offenbar war meine bisherige Methode etwas unangenehm.
Man hätte mir das auch sagen können.
…
Gut.
Sie haben es gesagt.
Mehrmals.
Wo sind eigentlich die Hausschuhe? 👟
Auch nachts bin ich inzwischen produktiv.
Mein Mensch besitzt Hausschuhe.
Warum genau er glaubt, dass es seine Hausschuhe sind, konnte bislang nicht geklärt werden.
Jedenfalls beginnt morgens inzwischen gelegentlich eine kleine Suchaktion.
Hausschuh weg.
Wo könnte er sein?
Neben dem Bett?
Nein.
Im Flur?
Nein.
Unter dem Tisch?
Nein.
Unter dem Bett?
Treffer.
Merkwürdig.
Ich kann mir nicht erklären, wie das immer wieder passiert.
Vielleicht wandern Hausschuhe nachts selbstständig.
Das sollte mein Mensch genauer untersuchen.
Bis dahin lautet der bekannte Datenpfad:
Hausschuh → Yuna → /under/bed/
Ob es sich dabei um Beute, Spielzeug oder strategisch eingelagerte Ressourcen handelt, unterliegt selbstverständlich dem Katzengeheimnis.
Operation „Charm Offensive“ 💎
Nicole bekommt inzwischen ebenfalls eine besondere Behandlung.
Ich merke nämlich ziemlich genau, wenn sie morgens wach wird.
Und sobald das passiert, beginnt meine Arbeit.
Ich krieche unter ihren Arm.
Ich stupse sie an.
Dann noch einmal.
Und wenn nötig:
noch einmal.
Das bedeutet:
Guten Morgen. Jetzt kuscheln.
Nicole hat inzwischen verstanden, wie dieses Protokoll funktioniert.
Allerdings gibt es bei diesen morgendlichen Kuscheleinheiten noch etwas ausgesprochen Interessantes.
Sie trägt ein Charm-Armband.
Mit kleinen beweglichen Teilen.
Anhänger.
Kettenglieder.
Dinge, die glänzen.
Dinge, die wackeln.
Mit anderen Worten:
Dinge, die dringend von einer Katze untersucht werden müssen.
Meine Menschen haben inzwischen einen Verdacht.
Sie glauben, das Kuscheln könnte lediglich Ablenkung sein.
Also ungefähr:
Nicole wacht auf
↓
Yuna kriecht unter den Arm
↓
anstupsen
↓
kuscheln
↓
Mensch vollständig abgelenkt
↓
Charm-Armband untersuchen
Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück.
Ich kuschle mit Nicole selbstverständlich ausschließlich deshalb, weil ich sie mag.
Dass sich dabei zufällig ein interessantes Armband in Pfotenreichweite befindet, kann man mir kaum vorwerfen.
Korrelation ist schließlich keine Kausalität.
Das habe ich bei der Sache mit dem WLAN gelernt.
Meine Menschen werden langsam misstrauisch
Offenbar beobachten sie meine Entwicklung inzwischen ziemlich genau.
Ich verstehe überhaupt nicht, warum.
Ich habe lediglich:
technische Systeme untersucht,
Netzwerkkomponenten getestet,
eine Außenmission durchgeführt,
meine Menschen in feste Tagesabläufe integriert,
Castle in the Sky übernommen,
Social Engineering erlernt
und inzwischen verschiedene Ressourcen unter dem Bett eingelagert.
Völlig normales Katzenverhalten.
Trotzdem wurde jetzt eine neue Grenze festgelegt.
Sollte eines Tages ohne Zutun meiner Menschen Werbung auf meiner Webseite erscheinen, wollen sie angeblich eingreifen.
Warum?
Nur als vollkommen theoretisches Beispiel:
Premium-Hühnchen – von Yuna persönlich getestet ⭐⭐⭐⭐⭐
Das wäre doch eine ausgesprochen hilfreiche Information.
Und selbstverständlich gäbe es keinen Grund, auf dem Server nach einem Container namens
yuna-affiliate-manager
zu suchen.
Keinen.
Überhaupt keinen.
Tagesbilanz
Damit halte ich fest:
Castle-Parkour: 3 Durchgänge
Zimmerdecke: weiterhin im Weg
Beschwerde eingereicht: mehrfach
Gecko-Modus: funktionsfähig
One-Paw-Recovery: erfolgreich
The Tail: weiterhin unbesiegt
Krallenmanagement: verbessert
Hausschuhe: ordnungsgemäß umgelagert
Nicole: erfolgreich bekuschelt
Charm-Armband: hochinteressant
Monetarisierungspläne: selbstverständlich keine
Weltherrschaft: weiterhin Entwicklungsphase
Jetzt entschuldigt mich bitte.
Ich habe zu tun.
Da oben befindet sich immer noch diese Decke.
Und nur weil etwas bei den ersten drei Versuchen nicht funktioniert hat, bedeutet das schließlich nicht, dass man das Projekt einfach aufgeben sollte.
🐾 Yuna
Burgherrin von Castle in the Sky, Hausschuh-Asset-Managerin und zertifizierte One-Paw-Recovery-Spezialistin