Meine Gegner werden langsam mehr 🐾
Ich habe langsam das Gefühl, dass mein Zuhause gefährlicher ist, als ich ursprünglich dachte.
Am Anfang war die Lage noch übersichtlich.
Da war ich.
Da waren meine Menschen.
Da waren Spielzeuge.
Und irgendwann erschien mein erster großer Erzfeind:
The Tail.
Inzwischen?
The Tail.
The Mirror.
The Hand.
Ein möglicherweise ferngesteuerter Plüschhund.
Und dann gibt es noch The Foot.
Aber dazu kommen wir später.
Zunächst begann mein Tag vollkommen friedlich.
Schwerelos in Castle in the Sky 🏰
Ich lag oben in Castle in the Sky.
Sehr bequem.
Zumindest für mich.
Meine Menschen waren da offenbar anderer Meinung.
Sie standen unten und versuchten zu verstehen, wie meine aktuelle Liegeposition anatomisch funktionieren konnte.
Mehrere Pfoten hingen über den Rand.
Andere Körperteile befanden sich irgendwo im Körbchen.
The Tail war ebenfalls vorhanden.
Und offenbar ließ sich von unten nicht zweifelsfrei feststellen, wie das alles zusammengehörte.
Ich verstehe das Problem nicht.
Katze liegt
Katze bequem
Damit ist die Dokumentation eigentlich vollständig.
Menschen möchten immer alles unnötig kompliziert machen.
Die Schwerkraft wird überschätzt
Besonders irritiert waren meine Menschen von meinen Pfoten.
Die hingen einfach in der Luft.
Wo sollen sie denn sonst hin?
Ich brauche sie schließlich gerade nicht.
Also kann man sie auch über den Rand hängen lassen.
Das spart Platz.
Außerdem sieht es gut aus.
Meine derzeitige Bewertung der physikalischen Situation lautet deshalb:
Körperposition: UNDOCUMENTED
Pfoten: verteilt
Schwerkraft: optional
Komfort: 100 %
Handlungsbedarf: keiner
Damit wäre die Sache geklärt.
Moment mal – da oben ist etwas 🔎
Irgendwann war die Ruhephase beendet.
Mir fiel etwas an der Zimmerdecke auf.
Also musste ich nachsehen.
Ich umklammerte den Stamm meines Castle und schaute konzentriert nach oben.
Da war etwas.
Vielleicht.
Meine Menschen sahen nichts.
Das bedeutet allerdings überhaupt nichts.
Wir haben inzwischen ausreichend Vergleichsdaten.
Menschen entdecken Motten meistens dann, wenn sie bereits offensichtlich herumfliegen.
Ich entdecke sie:
früher.
Deshalb gilt:
Sensorik Mensch: kein Kontakt
Sensorik Yuna: höchst verdächtig
Ich setzte die Untersuchung fort.
Meine Menschen fragten sich währenddessen vermutlich, was ich da eigentlich machte.
Arbeiten.
Was denn sonst?
Sogar The Tail musste warten 🐈⬛
Während meiner Untersuchung war natürlich auch ER wieder da.
The Tail.
Der Schwarze Schatten.
Er hing über dem Rand des Castle.
Direkt in meiner Nähe.
Normalerweise genügt bereits eine kleine verdächtige Bewegung von ihm, um eine entsprechende Reaktion auszulösen.
Drehen.
Pfote.
Beißen.
Tailfight.
Heute nicht.
Die Sache an der Decke war wichtiger.
The Tail wurde deshalb vorübergehend ignoriert.
Das sollte allerdings niemand mit Frieden verwechseln.
Es war lediglich ein prioritätsbedingter Waffenstillstand.
Dann erschien The Hand 🛋️
Später wurde die Lage deutlich ernster.
Auf dem Sofa bewegte sich etwas unter einer Decke.
Ich sah es sofort.
Eine Beule.
Sie bewegte sich.
Langsam.
Dann wieder.
Ziel erkannt.
Also drauf.
Pfoten auf die Decke.
Festhalten.
Angreifen.
Das Ding bewegte sich weiter.
Natürlich ließ ich nicht locker.
Und irgendwann wurde klar, wer dahintersteckte:
The Hand.
Eine menschliche Hand.
The Hand besitzt Tarnfähigkeiten
Bislang kannte ich The Hand hauptsächlich in seiner normalen Form.
Es streichelt.
Es spielt.
Es bewegt Dinge.
Manchmal wird es angegriffen.
Ganz normales Zusammenleben.
Aber jetzt wissen wir:
The Hand kann sich tarnen.
Es verschwindet unter einer Decke und bewegt sich dort weiter.
Das ist taktisch ausgesprochen raffiniert.
Damit muss seine Gefahreneinstufung aktualisiert werden.
Gegner: The Hand
Direkter Angriff: möglich
Tarnmodus: bestätigt
Deckung: menschliche Decke
Gegenmaßnahme: drauf
Einfach.
Aber wirkungsvoll.
Moment – was ist dann mit dem Hund? 🐕
Diese Erkenntnis wirft allerdings eine wesentlich größere Frage auf.
Ich habe einen Plüschhund.
Mit dem hatte ich bereits mehrere intensive Auseinandersetzungen.
Festhalten.
Umklammern.
Beißen.
Werfen.
Ich ging bisher davon aus, dass es sich um einen eigenständigen Gegner handelt.
Aber wer bewegt den Hund gelegentlich?
The Hand.
Das bedeutet:
The Hand
↓
Plüschhund
↓
Yuna
Moment.
Der Hund könnte also lediglich ein Peripheriegerät sein!
Das verändert alles
Vielleicht habe ich die ganze Zeit gegen das falsche Ziel gekämpft.
Der Plüschhund ist möglicherweise gar nicht der eigentliche Gegner.
Vielleicht wird er nur ferngesteuert.
Von The Hand.
Das würde einiges erklären.
Ich muss meine bisherigen Einsatzberichte unter diesem Gesichtspunkt noch einmal überprüfen.
Bis dahin ändert sich allerdings nichts an meiner Gegenstrategie.
Wenn der Hund angreift:
drauf.
Festhalten.
Beißen.
Werfen.
Ob ferngesteuert oder nicht – man sollte funktionierende Prozesse nicht unnötig verändern.
Und dann gibt es The Foot 🦶
The Foot ist ein Sonderfall.
Eigentlich hat The Foot nichts getan.
Es verfolgt mich nicht.
Es kopiert mich nicht.
Es tarnt sich nicht unter Decken.
Es steuert keine Plüschhunde.
Es hängt einfach an meinem Menschen.
Trotzdem wird es gelegentlich angegriffen.
Besonders nachts.
Warum?
Nun.
Manchmal läuft eine Katze vorbei.
Da liegt ein Fuß.
Und dann passiert eben etwas.
Das Leben ist kompliziert.
Die Beweislage ist leider eindeutig
Meine Menschen haben inzwischen allerdings Beweise.
Kratzspuren am Bein.
Damit wird es schwierig, weiterhin zu behaupten, die nächtlichen Angriffe auf The Foot seien lediglich Legenden.
Ich möchte trotzdem auf einige wichtige Punkte hinweisen.
Motiv: ungeklärt
Provokation durch The Foot: nicht dokumentiert
Beteiligung am ursprünglichen Konflikt: vermutlich keine
Katze zum Tatzeitpunkt: möglicherweise anwesend
Das genügt meiner Meinung nach nicht für eine Verurteilung.
Meine Menschen sehen das offenbar anders.
Meine Gegnerdatenbank wächst 🎮
Damit wird es langsam Zeit für eine Bestandsaufnahme.
The Tail – der Schwarze Schatten
Mein erster Erzfeind.
Immer da.
Kennt jede meiner Bewegungen.
Besitzt offenbar Root-Zugriff.
Und verfügt mit The Brush sogar über eine zweite Form.
The Mirror
Eine fremde schwarze Katze.
Kopiert jede meiner Bewegungen ohne erkennbare Verzögerung.
Reaktionszeit vermutlich 0 ms.
Extrem verdächtig.
The Hand
Aktiver Gegner.
Kann sich unter Decken tarnen.
Besitzt offenbar außerdem Fähigkeiten zur Fernsteuerung anderer Objekte.
Der Plüschhund
Bislang als eigenständiger Gegner eingestuft.
Neuer Status:
möglicherweise Peripheriegerät von The Hand.
The Foot
Keine bekannten offensiven Fähigkeiten.
Keine Tarnung.
Keine Fernsteuerung.
Keine nachgewiesene Provokation.
Wird trotzdem angegriffen.
Manchmal hat man einfach Pech.
Langsam erkenne ich ein Muster
The Tail hängt an mir.
The Hand hängt am Menschen.
The Foot ebenfalls.
The Mirror sieht aus wie ich.
Der Plüschhund wird möglicherweise von The Hand gesteuert.
…
Ich möchte noch keine voreiligen Schlüsse ziehen.
Aber offenbar sind die gefährlichsten Gegner im Yuna HQ diejenigen, die irgendwie mit uns verbunden sind.
Das sollte untersucht werden.
Später.
Tagesbilanz
Für heute halte ich fest:
Castle in the Sky: bequem
Pfotenposition: weitgehend ungeklärt
Schwerkraft: erneut überschätzt
Zimmerdecke: untersucht
Unbekanntes Ziel: möglicherweise vorhanden
The Tail: vorübergehend ignoriert
The Hand: Tarnmodus bestätigt
Plüschhund: möglicherweise ferngesteuert
The Foot: weiterhin unschuldig
Kratzspuren: leider dokumentiert
Gegnerdatenbank: erweitert
Sicherheitslage im HQ: zunehmend kompliziert
Eigentlich wollte ich heute nur ein bisschen im Castle liegen.
Jetzt habe ich einen getarnten Gegner entdeckt, eine mögliche Fernsteuerungsverbindung aufgedeckt und musste meine komplette Gegnerdatenbank aktualisieren.
So ist das eben.
Je genauer man sein Zuhause untersucht, desto mehr Sicherheitsprobleme findet man.
Und jetzt entschuldigt mich.
Unter der Decke hat sich gerade wieder etwas bewegt.
The Hand.
Ich weiß, dass du da bist.
🐾 Yuna
Hauskatze, Castle-Inspektorin und Administratorin der inzwischen erschreckend umfangreichen Gegnerdatenbank